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#Kaffeewissen

Entkoffeinierter Kaffee: Warum und wie geht das?

Ein Beitrag von  in der Kategorie #Kaffeewissen  vom 22. Jänner 2015

Du kennst es sicher auch: ohne Deinen morgendlichen Schub Koffein wirst du nicht richtig wach. Warum also trinken Menschen entkoffeinierten Kaffee? Wer kam eigentlich auf die Idee, Kaffeebohnen zu entkoffeinieren und wie läuft das Verfahren ab?

1903: Die Erfindung des Entkoffeinierens

Die Entstehungsgeschichte von entkoffeiniertem Kaffee geht in das Jahr 1903 zurück. Der Bremer Kaffeehändler und Gründer von „Kaffee HAG“, Ludwig Roselius, führte den Tod seines Vaters zum Teil auf einen überhöhten Kaffeekonsum zurück. Daraufhin entwickelte er das nach ihm benannte Roselius-Verfahren – bei dem er die ganzen Bohnen zum Quellen zunächst in Salzwasser einlegte, um dann mit Hilfe von Benzol das Koffein aus der Bohne zu extrahieren. Da Benzol heutzutage als krebserregend gilt, wird dieses Verfahren natürlich nicht mehr angewendet.

Dreckige Tassen
Kaffeepause muss sein

Das Verfahren ist kompliziert, aufwendig und nicht selten auch schädlich

Heute gibt es zahlreiche andere Verfahren, den Kaffee zu entkoffeinieren. Der Schweizer-Wasser-Prozess ist zwar beispielsweise chemiefrei, aber dafür umso aufwendiger. Im ersten Schritt werden die grünen Kaffeebohnen so lang in heißes Wasser eingelegt, bis alle Bestandteile herausgelöst sind. Die Bohnen dieses ersten Arbeitsschritts werden entsorgt. Das Wasser mit den gelösten Bestandteilen hingegen wird weiterverwendet.

Im nächsten Schritt wird das Wassergemisch durch einen Kohleaktivfilter gepresst, sodass das enthaltene Koffein entfernt wird. Anschließend werden neue Kaffeebohnen in dieses Wasser eingelegt. Dadurch, dass das Wasser durch den ersten Arbeitsschritt vollkommen mit Kaffeebestandteilen versetzt wurde, wird den neuen Kaffeebohnen nun nur noch das Koffein entzogen. Dieser Schritt kann so lange wiederholt werden, bis die Bohnen nur noch einen Koffeingehalt von 0,1% aufweisen. Denn dies ist der Richtwert für koffeinfreien Kaffee, welcher von der EU vorgegeben ist.

Dieses Verfahren wird jedoch kaum mehr angewendet, weil es unwirtschaftlich und nicht besonders umweltfreundlich ist. Zum einen wird Rohkaffee benutzt, der anschließend entsorgt wird und nicht mehr weiterverwendet werden kann. Zum anderen wird sehr viel Wasser benötigt.

Lösungsmittel und Kaffee?

Bei dem heute gängigen Verfahren werden die rohen Kaffeebohnen erst in heißem Wasser oder Wasserdampf quellen gelassen und anschließend rund 10 Stunden lang mit Lösungsmitteln behandelt. Diese Lösungsmittel sind nicht unbedenklich. Dichlormethan beispielsweise steht unter dem Verdacht, krebserregend zu sein. Trotzdem wird es immer noch verwendet (siehe Videobeitrag vom Hessischen Rundfunk). Ein weiteres Lösungsmittel ist Ethylacetat. Da dieses auch aus Obst und Gemüse gewonnen werden kann und somit ein „natürliches“ Lösungsmittel ist, hat sich dieses in der Industrie etabliert. So können die entkoffeinierten Kaffees im Handel als „natürlich entkoffeiniert“ bezeichnet werden. Nachdem das Koffein aus den Bohnen herausgelöst wurde, müssen diese noch getrocknet werden. So verflüchtigen sich die Lösungsmittel. Es kann jedoch passieren, dass ein sehr geringer Anteil der Lösungsmittel in den Bohnen vorhanden bleibt. Wie sich dies auf die Gesundheit auswirkt, ist bisher nicht bekannt.

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